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Europäische Hintertür

Betrachtet man die Aktivitäten der Internetgiganten Facebook, Google und Amazon, kann einem angst und bange werden. Nicht nur, dass diese gigantischen Datenkraken für jeden Nutzer ein persönliches Profil erstellen können, das einem digitalen Fingerabdruck im Netz gleichkommt, nein, sie breiten ihre Krakenarme in immer weitere Bereiche unseres Lebens aus. Vom Handy bis zum digitalen Fernsehen, vom Buchverlag bis zur Zeitung – die Big Player des Internets rücken immer weiter vor.

Die Ursache ihres Erfolgs ist einfach: Sie produzieren Produkte, die jeder mag. Einfache Suche im Internet, bequemes Shoppen vom Sofa aus und Fernsehserien dann, wenn man sie sehen möchte. Die Produkte dieser digitalen Schwergewichte machen uns das Leben leichter. Nur durch diese tollen Angebote konnten sie zu einer solchen Marktmacht aufsteigen und das digitale Leben in Deutschland dominieren.

Sicherlich, blindes Vertrauen ist nicht angesagt im Umgang den angenehmen Vereinfachungen aus der digitalen Welt, aber Hand aufs Herz: Wer möchte schon darauf verzichten? Der enorme Wettbewerbsdruck und die radikale Innovationsfähigkeit dieser Unternehmen haben bis jetzt mehr Nutzen als Schaden in unser Leben gebracht. Solange das so bleibt, werden immer neue Märkte erobert und immer mehr alte Geschäftsmodelle durch neue ersetzt werden.

Die Gretchenfrage für die europäische Politik lautet hierbei: Muss der Siegeszug amerikanischer Konzerne durch Regulation aufgehalten werden oder ist diese Marktmacht der Preis für die Globalisierung? Schon heute nutzen die großen Internetkonzerne die Lücken der europäischen Regeln und wenden die steuerrechtlichen und Datenschutz-Regelungen der europäischen Länder an, die ihnen am meisten entgegenkommen. Sie unterwerfen sich nicht den nationalen Vorschriften, sondern kommen durch die europäische Hintertür.

Tatsächlich reift die Erkenntnis in der Bundesregierung, dass das Etablieren neuer, digitaler Geschäftsmodelle nicht durch einen langsamen Gesetzgebungsprozess zu kontrollieren ist. Das Verbraucherverhalten schafft Fakten, das sich durch gesetzliche Regelungen nicht auf den Kopf stellen lässt. Nur wer hier ansetzt, kann Änderungen herbeiführen.

Die Begrenzung der Marktmacht der Internetgiganten kann nur durch Wettbewerb und andere Anbieter erfolgen. Solange wie europäische Anbieter nach Regulierung rufen, anstatt wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen, solange wird der Siegeszug von Google, Facebook und Co. weitergehen. Auch braucht es viel mehr als die derzeitigen Bemühungen, um die digitale Infrastruktur in Europa zu verbessern. Nur mit breiten Datenautobahnen und innovativen Unternehmen können Alternativen entstehen. Wenn Europa diese Herausforderung nicht annimmt, ist eine Zukunftsprognose einfach: Die nächsten Big Player im digitalen Markt werden dann nicht aus Europa kommen – eine Offensive aus China ist hier wesentlich wahrscheinlicher.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.

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