
Die traditionsreiche Kölnische Rundschau steht vor einem tiefgreifenden Umbruch: Zum 1. April 2026 übernimmt DuMont die Herausgeberschaft und damit die vollständige redaktionelle Verantwortung. Während das Unternehmen von einer Zukunftssicherung der Marke spricht, kritisieren Gewerkschaft und Stadtspitze die Auflösung der bisherigen Redaktion und warnen vor einer Schwächung der Pressevielfalt.
Heinen-Verlag zieht sich zurück
Wie DuMont mitteilt, beendet der Heinen-Verlag zum 31. März 2026 seine Herausgeberschaft sowie die redaktionelle Tätigkeit für die Kölnische Rundschau. Künftig übernehmen die Kölner Stadt-Anzeiger Medien die journalistische Verantwortung. Die Zeitung soll als eigenständige publizistische Marke mit eigener Haltung weitergeführt werden, eingebunden in die regionale Struktur und den Newsroom der Kölner Stadt-Anzeiger Medien.
Dr. Christoph Bauer, CEO DuMont, erklärt: „Die Kölnische Rundschau ist eine wichtige Stimme für die Region. Wir stellen jetzt die Strukturen bereit, damit sie ihre publizistische Rolle auch in Zukunft stark und erfolgreich wahrnehmen kann.“
Zugleich kündigt das Unternehmen eine digitale Wachstumsinitiative an: Rund um Köln sollen neue Webportale und Apps entstehen, interdisziplinäre Teams aufgebaut und mehr als 30 neue Stellen geschaffen werden. Oliver Eckert, COO DuMont, sagt dazu: „Wir investieren in neue Formate und neue Arbeitsweisen für den Regionaljournalismus. Damit schaffen wir Angebote, die noch näher am Leben der Menschen sind.“
Über 50 Kündigungen und scharfe Kritik der Gewerkschaft
Deutliche Kritik kommt von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di. Sie wirft DuMont und dem Herausgeber Helmut Heinen vor, mit der Auflösung der Redaktion der Kölnischen Rundschau der Pressevielfalt in Nordrhein-Westfalen zu schaden. Mehr als 50 Redakteur:innen und Medienschaffende sollen bis Ende März 2026 gekündigt werden.
„Die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen ist erschreckend“, sagt der dju Co-Vorsitzende Lars Hansen.
Weiter heißt es von Hansen: „Nun im Heinen-Verlag bei den Kündigungen mit Monatsfrist für die gesamte Redaktion einer Zeitungs-Institution im Rheinland zeigt DuMont und Heinen ein für ein Medienunternehmen unwürdiges Verhalten. Immerhin sind Verlage steuerlich und rechtlich für ihre Aufgaben als Presseverlage privilegiert. Der daraus resultierenden Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und auch der Gesellschaft kommt die Geschäftsführung überhaupt nicht nach. Kündigungen zu Ende des kommenden Monats sind in keiner Weise gerechtfertigt, sicherlich auch nicht wirtschaftlich, und kommen vollkommen überraschend.“
Und weiter: „Heute überwiegt der Schock über diese Entscheidung. Doch sicherlich werden die Kolleg*innen mehr um ihre ‚Rundschau‘ kämpfen als die Verleger.“
Oberbürgermeister warnt vor Schwächung der Medienlandschaft
Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) äußert sich besorgt über die Entwicklung. In einer Stellungnahme heißt es: „Mit großer Sorge habe ich die Ankündigung des Heinen-Verlags zur Kenntnis genommen, sich bereits zum 31. März 2026 aus der Traditionszeitung Kölnische Rundschau zurückzuziehen.“
Weiter betont er die Bedeutung des Blattes für die Stadt: „Die Kölnische Rundschau ist seit Generationen ein fester Bestandteil der Medienlandschaft unserer Stadt und hat die demokratische Meinungsbildung in Köln maßgeblich mitgeprägt.“
Besonders kritisch bewertet er den engen Zeitplan: „Eine so einschneidende Entscheidung wirft berechtigte Fragen nach der Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie nach der Sicherung journalistischer Vielfalt in unserer Stadt auf.“
Zugleich zeigt er sich dankbar für das angekündigte Engagement von DuMont, fordert jedoch Transparenz: „Ich erwarte von den Verantwortlichen, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten, den Leserinnen und Lesern sowie unserer Stadt gerecht werden und größtmögliche Transparenz über die weiteren Schritte herstellen.“
Zwischen Restrukturierung und Digitalstrategie
Fest steht: Für die Kölnische Rundschau beginnt im April eine neue Phase – organisatorisch eingebettet in den Konzern, politisch aufmerksam begleitet und gewerkschaftlich umkämpft.