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Abgestürzt

Es ist immer wieder ein furchtbarer Moment, wenn wir durch Katastrophen an die eigene Zerbrechlichkeit erinnert werden. Der Begriff „Restrisiko“ wird plötzlich greifbar und uns in schrecklichen Bildern vor Augen geführt. Auch die Tatsache, dass es bei der Germanwings-Katastrophe eine Schulklasse getroffen hat, lässt Eltern das Herz gefrieren.

Betrachtet man die Berichterstattung zu dieser Katastrophe, dann würde man sich Fingerspitzengefühl wünschen. Es ist eben mehr als nur eine „Story“ – es ist ein Drama, das vielen zu Herzen geht und Mitgefühl auslöst. Leider schalteten die Medien auch in diesem Fall wieder auf eine völlig faktenfreie Dauerbeschallung, voll mit widersinnigen Spekulationen. Was hat dazu geführt, dass jede Form von journalistischem Feingefühl ersetzt wird durch Quoten- und Auflagentreiberei?

Statt die Angst einzudämmen und würdevoll mit dem Schicksal anderer Menschen umzugehen, werden Kampagnen losgetreten, die sofortige Handlungen fordern. Verschärfung hier, Verbot dort. Sofort sollen Luftfahrtbestimmungen, Arztgeheimnis und Schengen-Abkommen geändert werden. Glaubt denn irgendjemand wirklich, dass es sinnvoll ist, Änderungen herbeizuführen, bevor man Ursachen und Fakten wirklich kennt?

Ich kann nicht glauben, dass alle Beteiligten in diesem Medienspektakel nicht merken, dass hier etwas falsch läuft. Wenn weiterhin jede Form von Berichterstattung zu Katastrophen und Dramen mit betriebswirtschaftlichen Zielen geplant und die maximale Reichweite aus den Themen gequetscht wird, dann bekommen wir einen Journalismus, für den Zurückhaltung, Vernunft und Mitgefühl nur noch lästige Hemmnisse sind. Als Konsument kann man auf solche Entwicklungen nur mit einer Reaktion Einfluss nehmen: die Zeitung mit der Reißer-Headline liegen lassen und faktenfreie TV-Shows sofort abschalten. Wenn der eigene Verstand die Journalismusmaschinerie nicht zur Vernunft bringt, dann müssen es eben die Mediennutzer tun.

Über den Autor:
andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.

 

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