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YouTube kills the TV Star

Ich gehöre noch in die Generation, die sich als Kind zu Massenereignissen vor dem Fernseher versammelt hat. Ob „Dalli Dalli“ oder „Hitparade“, wer mitreden wollte, musste sich das Fernseh-Pflichtprogramm angeschaut haben. Später kamen Sendungen wie „Ronny’s Pop Show“ und „Formel Eins“ dazu, in der wir mit den neuesten Top-Hits aus den Hitfabriken versorgt wurden. Kurzum, die Rollen waren noch klar: Es gab Moderatoren, die in Sendungen sagten, was man gut zu finden hatte, und es gab „die Zuschauer“, die sich bereitwillig berieseln liessen.

Durch YouTube haben sich hier völlig neue Rollen entwickelt. Jeder Zuschauer kann seine eigene Sendung produzieren oder mindestens durch Aufrufe, Kommentare und Likes mit darüber bestimmen, was gerade angesagt ist und was nicht. YouTuber oder YouTube-Stars heißen die, die es durch regelmäßiges Veröffentlichen von mehr oder auch weniger sinnvollen Inhalten zu virtuellem Ruhm und Millionen von Followern gebracht haben.

Für Eltern stellt sich jetzt die spannende Frage: Soll ich meinem Kinde erlauben, dass es mit selbst gedrehten Videos selber eine Karriere als YouTuber anstrebt, und ab welchem Alter ist das sinnvoll? Auf der einen Seite fördert das Produzieren eigener Inhalte die Kreativität und braucht viele Fähigkeiten, wie z.B. Videoschnitt, Moderation und Grafikdesign. Auf der anderen Seite stellt sich ein Jugendlicher auf der Suche nach Aufmerksamkeit der teilweise gnadenlosen Kritik der Allgemeinheit. Reichtum und Shitstorm sind hier die zwei Extreme, zwischen denen sich die Jugendlichen wiederfinden können.

Auch in diesem Beispiel sind die Hauptprobleme die Unkontrollierbarkeit und der rasenden Wandel, dem alle Entwicklungen im Internet unterworfen sind. Videos können völlig ohne Kontrolle einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wer auffallen will, muss sich etwas ausdenken, das aus der Masse heraussticht. Nicht selten erreicht man dies am besten durch Tabubrüche und eine provokante Sprache. Nicht falsch verstehen: Vieles, was man sich auf YouTube ansehen kann, ist wirklich beeindruckend gut und lustig. Die YouTuber werden zu einer Veränderung der Fernsehlandschaft und der Art, wie Fernsehen gemacht wird, erheblich beitragen. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass wir im Sinne unserer Kinder erkennen, dass hier Aufsicht und auch Regulierung notwendig sind. Anerkennung für ihre Fähigkeiten sollten Kinder von ihrem analogen Umfeld erfahren und diese nicht in der virtuellen, unkontrollierten Welt des Internets suchen. Dafür ist später dann noch genug Zeit.

uwe-mommert-neuÜber den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.

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