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Was bleibt von Snapchat?

© Fotolia/nadia_snopek

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Branchenkenner Nico Kunkel steht neuen Medien aufgeschlossen gegenüber – nur mit Snapchat wird er irgendwie nicht richtig warm. Warum ihn dieser Kommunikationskanal trotzdem fasziniert, verrät in seiner neuen Kolumne.

Zugegeben, ich fremdele mit Snapchat. Den sogenannten sozialen Medien bin ich sonst aufgeschlossen. Twitter und Facebook halte ich für ein Geschenk an den Journalismus: Sie sind mir Themenradar und Rückkanal, und in ihnen manifestiert sich das Netzwerk, das ich für meine Arbeit dringend brauche. Snapchat bleibt mir dagegen verschlossen. Insofern bin ich nicht geeignet, Ihnen How-to-Snap-Ratschläge zu erteilen. Dafür empfehle ich ein E-Book von Philipp Steuer, in dem er alles aufgeschrieben hat, was es zu wissen gibt.

Aus professioneller Sicht ist Snapchat ein faszinierender Kanal, weil sich hier vor allem das sehr junge Publikum begeistern kann. Jugendliche folgen dem Prinzip: Wir sind da, wo alle sind. Außer Mama und Papa. Snapchat ist als Netzwerk exklusiver als Facebook, das mittlerweile alle gesellschaftlichen Schichten und Altersklassen anspricht.

Via Instagram kontert Facebook derzeit diesen Erfolg, indem der Konzern beliebte Features von Snapchat kopiert (– mit Erfolg). Egal welche Zukunft Snapchat angesichts des Konkurrenzdrucks hat, die Einflüsse des Mediums auf Inhalte und Kommunikation werden bleiben.

Text ist out. Junge Zielgruppen denken visuell und teilen sich entsprechend mit, nämlich kreativ und spielerisch. Snapchat liefert ihnen die Werkzeuge, die sie dafür brauchen – und die ihnen Botschaften erlauben, über die sie sich differenzieren können. Für eine Nachricht bei Snapchat reihen die Nutzer Bilder, Video-Schnipsel und höchstens kurze Sätze chronologisch aneinander. Randnotizen, Emotionen und persönliche Meinung drücken sie mit Emojis, mit Grafiken und Animationen aus. Als zweite Ebene.

Hohe Aufmerksamkeitsspannen zerbröseln, sie sind für Snapchat nicht nötig, weil Snapchat auf eine hohe Frequenz frischer Infos, schnelle Schnitte und visuelle Codes setzt, die nicht jedem Nutzer unmittelbar einleuchten (sollen). Jugendliche lesen nicht gerne, geht ein Vorurteil. In diesem Kontext mag das stimmen, weil sie Infos schneller konsumieren wollen als sie Texte in Zeitungen ausspucken können. Allerdings: Während wir beklagen, dass ihnen das Format Zeitung verschlossen bleibt, tun wir uns selbst schwer zu akzeptieren, auf welche Formate und Inhalte junge Zielgruppen anspringen.

Authentizität schlägt Inszenierung. Die Kommunikation via Snapchat ist auffällig nah dran, offen und spontan. Während Influencer auf Instagram entspannt einen Sonntagvormittag damit verbringen können zu inszenieren, wie sie einen entspannten Sonntagvormittag verbringen, kommen sie via Snapchat-Story authentisch und aktuell rüber. Der Hintergrund: Snapchat-Storys lösen sich innerhalb eines Tages in Luft auf.

Das Internet vergisst.

nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30 (www.30u30.de). Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.