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Verantwortungslos

Foto: © Fotolia/Ulrich

Nach der Bundestagswahl war es allen klar: Die gewählte Parteien-Konstellation würde zu schwierigen Vertragsverhandlungen führen. Zu groß waren die Abstände der Positionen in den Parteiprogrammen von CDU, Grünen, FDP und CSU. Schnell wurde darüber spekuliert, ob es überhaupt möglich wäre, zwischen diesen unterschiedlichen Parteien einen gemeinsamen Nenner namens „Koalition“ zu finden.

Die Verhandlungen waren offensichtlich schwierig und wurden intensiv geführt – begleitet von den deutschen Medien, die uns verhandelnde Personen auf Balkonen präsentierten und die eine oder andere Spekulation verbreiteten. Schnell waren die politischen Felder identifiziert, die die größten Hindernisse bei einer Koalition bilden würden: Flüchtlingspolitik, Energiepolitik und Wirtschaftspolitik. Hier prallten ideologische Welten, von liberal bis grün, aufeinander.

Es war also nicht überraschend, dass diese Verhandlungen auch scheitern könnten. Eigentlich war es von Anfang sogar sehr wahrscheinlich, wenn die beteiligten Parteien das ernst nehmen würden, was sie während der Wahl dem Wähler als ihre Ziele verkündet hatten.

Der Umgang der Medien mit dem Scheitern konnte dann schon überraschen. Anstatt einer sachlichen Reflexion der Gründe, wurden plötzlich persönliche Attacken auf den geritten, der das Scheitern als Erster verkündete. Bei manchen Fernsehinterviews war das einzige Ziel: Provokation und Häme. Fast schien es nur darum zu gehen, Lindner und die anderen Protagonisten in der Öffentlichkeit bloßzustellen.

Als wäre es der Wählerauftrag, seine politische Postion für die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung zu vergessen, wurden die potenziellen Koalitionspartner schulmeisterlich an ihre Verantwortung erinnert. Natürlich wären die gleichen Personen, bei einer erfolgreichen Koalition, als „Wendehälse“ und „machtbesessenen“ bezeichnet worden.

In einer schwierigen Zeit, in der sich Parteien populistischer Parolen bedienen, wäre es angebracht, dass sich die Medien mit sachlicher und respektvoller Berichterstattung dem Trend der Politikverdrossenheit entgegenstellen. Statt Provokation wäre Analyse angebracht, statt Häme wünschte ich mir Sorgfalt. Nur wenn wir verantwortungsvoll mit unserer Demokratie und den demokratischen Prozessen umgehen, können wir sie erhalten. Die Berichterstattung über die gescheiterten Koalitionsverhandlungen war in großen Teilen genau das Gegenteil: verantwortungslos und ein Bärendienst an unserer Demokratie.


Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.