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Online-Hippies und Piraten

Foto: © re:publica

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LOVE OUT LOUD! Das war das Motto der 11. re:publica, die vom 08. bis zum 10. Mai in Berlin stattfand. Eigentlich ja sowas wie ein Hippie-Motto. So freute ich mich schon auf woodstockähnliche Verhältnisse in der Berliner Station. Ok, voll wie Woodstock war es auch – mit über 8.000 Teilnehmern soll ein neuer Rekord erreicht worden sein. Auch ansonsten herrscht noch immer eine lockere Stimmung, allerdings hören dann die Parallelen zu Woodstock schnell auf.

Das Angebot der re:publica kann einen überfordern. So muss sich der Besucher durch ein Verzeichnis von Hunderten von Vorträgen kämpfen, um das zu finden, was ihn interessieren könnte. Von nerdspezifischen Technikthemen bis hin zur Politik, von internationalen Vorträgen bis hin zur zur typisch deutschen Diskussion über Gesetz und Vorschriften – die re:publica bietet alles, man muss es nur finden und rechtzeitig im Raum sein. Schnell ist ein interessanter Vortrag überfüllt und man darf nicht mehr rein.

In diesem Jahr schienen die Begriffe „Fake News“, „Hate Speach“ und „Datenschutz“ die allgemeine Themenauswahl zu bestimmen. Noch immer reiben sich die Internet-Pioniere die Augen, was die breite Bevölkerung in den letzten Jahren so ins Netz getragen hat. Es schwingt schon etwas Verzweiflung mit, wenn dort über die Macht der „Fake News“ diskutiert wird und allen klar ist, dass diese ohne die sozialen Netzwerke nie so an Schlagkraft hätten gewinnen können. Nachdem die Internet-Hippies am Anfang verzweifelt um Aufmerksamkeit gebuhlt haben und sich darüber beschwerten, dass die sozialen Netzwerke und Blogs in Deutschland nicht die Beachtung finden würden, die sie verdienten, so wäre jetzt wohl so mancher von ihnen gerne wieder alleine im digitalen Wunderland.

Auch das Thema Datenschutz wurde ambivalent diskutiert. Auf der einen Seite soll verhindert werden, dass die Massen an Daten, die fleißige Internetnutzer den Internet-Giganten täglich kostenlos  zur Verfügung stellen, missbraucht werden. Auf der anderen Seite sollen die dazu notwendigen Gesetze die Kommunikation und den Meinungsaustausch im Netz nicht zu kompliziert machen. Auch hier treffen eher allgemeine Parolen aufeinander als wirklich klare Lösungsvorschläge. Überhaupt scheint eines wirklich ein Problem der digitalen Boheme zu sein: nachhaltige Arbeit an einem Thema. Schnell mal einen launigen Blogbeitrag oder eine fetzige Präsentation zu einem Thema verfassen und dann hopp, weiter. Themen-Hopping am Rande des ADHS zeichnet so manchen Protagonisten der re:publica aus. Hier gilt es, sich dann irgendwann mal doch den Mühen der Ebene zu stellen und ein Thema so zu bearbeiten, dass Lösungen produziert und nicht nur Probleme ventiliert werden.

Foto: © re:publica

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Mutig fand ich die Auftritte von Spitzenpolitikern wie Bundesarbeitsministerin Nahles oder auch von Bundesinnenminister de Maizière, die sich in die Höhle des Löwen wagten und einem Publikum, das offensichtlich ihre Ideen nicht befürwortete, geduldig Frage und Antwort standen. Das war politischer Dialog, wie ich ihn mir vorstelle. Keine anbiedernde Wahlveranstaltung, sondern knallharte Sachdiskussion.

Foto: © re:publica

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Schön war dann auch der Satz des Bundesinnenministers, der auf einen misslungenen Auftritt der Piraten bei seiner Veranstaltung reagiert und sagte: „Das ist der Grund, warum sie auch aus dem letzten Landtag geflogen sind.“ Stimmt. Es braucht die Mühen der Ebene und die Sachdiskussion, um eine demokratische Richtung zu finden. Dass das nicht öde sein muss, hat die re:publica dieses Jahr auch gezeigt. Das einzige Mittel gegen Fake News sind eben Real Facts.

Foto: © re:publica

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Ich bin also voll in love mit der re:publica und komme nächstes Jahr wieder zu den Internet-Hippies.

Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.