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Journalistischer Neuanfang

© Fotolia/mitrija

Man kann ja über die große Koalition denken, was man will. Egal, ob man sie als Neuanfang betrachtet oder als schlichtes „Weiter so“ – sie ist das Ergebnis eines Wahlprozesses, der unsere Regierenden alle vier Jahre durchrüttelt und dazu zwingt, Bilanz ihres Tuns zu ziehen und mit neuen Versprechen Stimmen zu gewinnen. Begleitet wird dieses Verfahren „Bundestagswahl“ von journalistischer Berichterstattung.

Welches Verfahren sorgt eigentlich dafür, dass auch die Journalisten regelmäßig Bilanz ziehen müssen? Wann werten Journalisten die Fehler der Vergangenheit aus und versprechen, in der Zukunft besseren Journalismus abzuliefern? Sollte man die Verkaufszahlen der gedruckten Medien als regelmäßiges Indiz werten, so fällt auch die allgemeine Akzeptanz der journalistischen Leistungen nicht immer positiv aus. Auch die Einschaltquoten der nachrichtlichen und politischen Sendeformate zeugen nicht unbedingt von einer steigenden Akzeptanz des politischen Journalismus.

Wir leben in einer schnelllebigen, komplexen Zeit, die journalistische Höchstleistungen braucht. Wir brauchen einen Journalismus, der die gesellschaftlichen Probleme konsequent im Blick behält und kritisch über die Lösungsversuche der Politik berichtet. Was ich ich mir dabei wünsche, sind Konsequenz und ein langer Atem.

Wenn wir uns jetzt durch geschicktes Setzen von Themen der Rolle des Islams in Deutschland widmen, dann nicht weil der Journalismus hier ein gesellschaftlich relevantes Thema analysieren oder aufbereiten will. Vielmehr springt die journalistische Zunft über ein Stöckchen, dass geschickt in einem Interview hochgehalten wurde.

So schnell, wie ein solches Thema in die Diskussion eingeführt werden kann, verschwindet es dann auch wieder. Politische Plattitüden wurden über die Medien ausgetauscht und Wähler in Bayern gewonnen oder verloren. Wenn der Journalismus der Politik das Agenda Setting überlässt, so werden wir aus diesen populistischen Kreisläufen nicht ausbrechen.

Verantwortungsvoller Journalismus widmet sich mit Zeit und Sachverstand den wichtigen Themen der Gesellschaft und treibt die Diskussion über ein Stammtisch-Niveau hinaus. Er räumt Platz für verschiedene Meinungen ein und reflektiert Lösungsvorschläge. Konstruktiv und nicht plakativ, das wäre ein journalistischer Neuanfang, der vielleicht auch zu mehr Interesse an journalistischer Arbeit führt – und damit zu besseren „Wahlergebnissen“ am Zeitungskiosk.


Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.