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Deutsche Fehlerkultur

Fehlerkultur_Fotolia_61778996Vor fast 18 Jahren haben wir Landau Media ins Leben gerufen. Unser Ziel: Die Beobachtung von Printmedien besser zu machen, als es die bisherigen Anbieter konnten. Zu dieser Zeit war mobiles Telefonieren noch ein Luxus für Manager, und gute Fotos machte man mit einer Spiegelreflexkamera, deren Filme man zum Entwickeln brachte.

Es scheint, als lebten wir nach diesen 18 Jahren in einer anderen Welt, in der unzählige Geschäftsmodelle durch neue, digitale ersetzt wurden. Amazon begann vor 18 Jahren gerade mit dem systematischen Geschäftsaufbau und ist heute schon aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Fast jedes Produkt kann man an fast jedem Ort bekommen. Dass ich überhaupt weiß, wann Amazon gegründet wurde, liegt daran, dass ich es auf Wikipedia nachschlagen konnte. Wikipedia begann vier Jahre nach Landau Media mit seinem Aufbau.

Diese radikalen Veränderungen in unserem Alltag sind meist eine Mischung aus Technologien, die eine gewisse Leistungsfähigkeit erreicht haben, und einem Unternehmer, der das Potenzial dieser Technologie für eine bestimmte Problemstellung des Alltags erkannt hat. Der Aufbau solcher Neuerungen ist meist sehr risikoreich, da man ja Angebote schaffen möchte, die es noch nicht gibt. Erst beim Schaffen dieser Angebote wird man somit feststellen können, ob es auch Kunden gibt oder eben leider doch nicht.

Ich würde schätzen, dass von 100 Unternehmern, die einen solchen riskanten Weg beschreiten, leider 95 (oder vielleicht sogar noch mehr) auf der Strecke bleiben. „Außer Spesen, nichts gewesen“ charakterisiert dann die Ergebnisse dieser 95. In einem Umfeld, in dem Scheitern als Weg zum Erfolg erkannt und Mut zum Risiko bewundert wird, in einem solchen Umfeld schießen dann neue Ideen wie Pilze aus dem Boden. Wer es mit Unternehmen 1 nicht schafft, der gründet Unternehmen 2.

Dass Deutschland nicht unbedingt ein solches Umfeld bietet, liegt an unserer Art mit Fehlern umzugehen: Fehler sind etwas Schlechtes, die es zu vermeiden gilt. Das gilt ganz sicher bei einer Herzoperation, nicht aber bei jeder Unternehmensgründung. Hier muss den durch das deutsche Schul- und Ausbildungssystem verkauften und auf Fehlervermeidung getrimmten Protagonisten erst mühsam das wieder beigebracht werden, was sie aus Kindheitstagen schon wussten: Wer laufen lernen möchte, darf sich vorm Hinfallen nicht fürchten.

Gut vorgetragen wurde der Frust eines Unternehmers über die deutsche Sicht auf das Scheitern eines Gründungsversuchs von Christian Lindner in seiner „Wutrede“:

Und Ulf Poschardt, stellvertretender Chefredakteur der „Welt“, analysiert in seinem Videobeitrag gut, warum die deutsche Fehlerkultur für Neugründer so frustrierend sein kann:

Über den Autor:
andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.

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