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Der digitale Frankenstein

Foto: © Fotolia/Patrick Daxenbichler

„Ich habe ein Monster erschaffen!“, ruft der Marketingbeauftragte eines Sportartikelherstellers, nachdem er ein Blick auf sein Digitalbudget geworfen hat. Waren vor einigen Jahren die Riesen-Reichweiten der digitalen Meinungsführer (heute gerne auch Influencer genannt) billig zu haben, so lassen es sich die smarten digitalen Meinungsführer heute teuer bezahlen, wenn sie Produkte auf ihren Kanälen in die Kamera halten sollen.

Auf der PR-Report-Tour durch Hamburg haben wir uns dem Thema Social Media und Influencer Markteting gewidmet. Dabei entstand die interessante Diskussion, ob sich YouTuber, Instagram-Influencer und andere Reichweiten-Giganten des digitalen Zeitralters an dem Berufsethos des klassischen Journalismus orientieren müssen. Die Diskussion darüber, ob Werbung auf solchen Kanälen klar gekennzeichnet werden muss, wurde in den letzten Monaten ausführlich geführt und eindeutig mit „ja“ beantwortet. Muss man aber von den Teenagern vor der Kamera auch erwarten, dass sie, wie Journalisten, Werbung und redaktionellen Teil klar trennen? Dürfen sie einfach so zum Geldverdienen ihre Reichweite benutzen?

Am Ende haben sich die emanzipiert, die in diesem Spiel für den begehrten Content sorgen, der die Vermarktung der Kanäle am Laufen hält. Ohne diese bienenfleissigen Produzenten von zielgruppengerechten Inhalten, könnten Instagram, YouTube und Facebook nur schwer existieren. Soll nur denen dann der gesamte Profit gehören oder dürfen sich die Influencer auch ihre eigene Scheibe abschneiden?

Warum nicht, wenn die Industrie mit ihrem Geld das Spiel überhaupt erst ins Rollen gebracht hat, muss sie auch mit der steigenden Geschäftstüchtigkeit der begehrten Multiplikatoren leben. Am Ende muss immer wieder gemessen werden, ob der kommerzielle Output stimmt und ein Return on Investment für die Influencer Gelder herauskommt. Von den Influencern aber zu erwarten, dass sie sich unter dem, in großen Bündeln ins Netz geworfenen Geld aus moralischen Gründen abducken, scheint mir doch recht unrealistisch. Warum auch? Sie haben nie für sich in Anspruch genommen, Journalisten zu sein, oder? Es sind eher die tradierten Kommunikatoren, die versuchen mit Bildern der Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen. Das geht im digitalen Wandel leider nur selten.


Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.