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Corporate Podcasts – Wie man die Wissensvermittlung angehen kann

Foto: © Fotolia/Patrick Daxenbichler

Inzwischen weiß man gar nicht mehr, welchen neuen Podcast man noch hören soll. Während die öffentlich-rechtlichen Radiostationen bereits zu den alten Hasen des Mediums gehören, sprangen in den letzten drei Jahren die Onlineableger zahlreicher Printpublisher auf, aber auch unzählige Prominente setzten auf das recht einfach zu produzierende Format Audiopodcast.

Jüngst kam die Bild um die Ecke und frischte den hauseigenen „Bild Daily“-Podcast auf und pappte das neue Label „Bild direkt“ drauf. Allein bei Bild finden sich inzwischen sechs verschiedene Podcastformate.

Nun sind wir bei medienrot auch im vergangenen Jahr auf den bereits fahrenden Podcastzug aufgesprungen. Inzwischen sind wir in der dritten Staffel. Wir sprechen mit verschiedensten ProtagonistInnen der Medien- und PR-Branche. In jedem Interview wollen wir etwas über die Person erfahren, die wir befragen, aber auch über ihre Profession. Gleichzeitig suchen wir immer nach einem Erkenntnisgewinn für unsere HörerInnen. Damit wäre auch gleich ein Format für einen Corporate Podcast skizziert, denn nichts anderes ist der medienrot-Podcast.

Womit wir bei der Headline sind: Corporate Podcasts. Wir haben uns in den letzten zwölf Monaten recht häufig mit dem Thema beschäftigt und noch ein paar Punkte und Podcasts bisher nicht hier auf medienrot besprochen bzw. beschrieben. Denn natürlich macht man sich die Arbeit nicht nur aus reinem Spaß an der Freude. Podcasting kann und soll Wissen vermitteln und AbsenderInnen sowie die EmpfängerInnen positiv verbinden.

Wissensvermittlung

Podcasting wird überwiegend im Hörbereich produziert, kann aber auch als Videopodcast produziert werden. Letztendlich ist es eine Frage des Budgets und des Inhalts. Sicherlich eignen sich einige Themen mehr für eine Bewegtbildversion, eine Mehrzahl an Themen kann man allerdings gut und gerne „nur“ als Audioproduktion umsetzen. Wissensvermittlung sollte man dabei allerdings als Snackversion sehen und die Inhalte kurz halten. Zehn bis fünfzehn Minuten sollten die Folgen lang sein, nicht dringend länger. Wenn ein Thema komplexer ist, dann hilft es, wenn man es in Kapitel aufteilt und in entsprechend einzelnen Folgen abarbeitet.

Die einfachste Variante ist das Vortragen eines Textes. Der oder die PodcasterIn liest ein Skript pointiert vor. Das Rohmaterial kann man anschließend recht einfach schneiden. Wichtig ist, dass man wirklich mit seiner Stimme arbeitet. Alternativ lohnt es sich, eine Person den Text einsprechen zu lassen, die das professionell kann. Uns ist aufgefallen, dass lokale RadiomoderatorInnen als Freelancer entsprechende Services anbieten.

Etwas komplexer ist das ExpertInnen-Interview. Für die Aufnahmesituation muss man entweder zwei Mikrofone als Quellen aufzeichnen oder eben mit einem Mikrofon sauber und ohne Störgeräusche arbeiten. Gleichzeitig wird der Aufwand beim Schneiden etwas größer – bleibt aber machbar. Für ein Gespräch mit ExpertInnen vor dem Mikrofon hilft es, wenn man vorab ein gutes Vorgespräch mit den Leuten geführt hat. So bereitet man sie vor, kann noch mal offene Punkte abgleichen, eventuell Fragen entsprechend anpassen. Gleichzeitig lockert es die Menschen auf, die wenig oder gar keine Mikrofonerfahrung haben.

Bei der Produktion für medienrot hat sich das Hörstück mit mehr als fünf sprechenden Personen als größte Herausforderung gezeigt. Für den Bericht von einer Veranstaltung wurden auf dem Event O-Töne verschiedenster ProtagonistInnen eingesammelt und anschließend zu einer Art radioähnlicher Reportage mit Off- und O-Tönen montiert. Dafür ist es wichtig, dass man sich vor der Produktion ein Konzept skizziert, das klar macht, worauf man hinaus will. Dann stellt man den Leuten auch die richtigen Fragen und bekommt natürlich auch sauberen, passende Antworten.

Über alle drei Varianten kann Wissen vermittelt werden. Letztendlich kann man die verschiedenen Optionen auch mischen, wenn man damit dem zu vermittelnden Inhalt besser gerecht wird.

Interne vs. externe ZuhörerInnen

Entscheidend für die Podcast-Produktion ist, wer „aufgeschlaut“ werden soll. Geht es um die KollegInnen im eigenen Haus, so hilft es, wenn man den Schwerpunkt auf die eigenen ExpertInnen setzt. Denn wenn man erst mal gehört hat, dass im eigenen Haus jemand sehr gut zu einem Thema Bescheid weiß, dann wird man demnächst auch zu einem ähnlichen Bereich die eigene Frage an die entsprechende Person richten können. Der Podcast regt also die Vernetzung im eigenen Hause an.

Will man mit seinem Podcast eher extern glänzen, empfiehlt sich eine Mischung aus internen und externen Mikrofongästen. Dadurch lässt sich den NutzerInnen vermitteln, dass man im eigenen Hause über entsprechende fachliche Expertise verfügt, aber auch externe KollegInnen partnerschaftlich an Bord geholt werden, wenn es darum geht, eine Aufgabe zu meistern bzw. ein Problem aus der Welt zu schaffen. Man glänzt also mit doppelter Kompetenz – mit Kompetenzkompetenz quasi …

Und weil wir hier auch im Text einen Mehrwert und Wissen vermitteln wollen, haben wir jeweils drei Vorschläge für B2B-Podcast-Formate zusammengestellt. Bedienen Sie sich gern!

Themenvorschläge für interne Podcasts:

Onboarding: Ein Audiofragebogen gibt mit fünf bis zehn standardisierten Fragen einer neuen Kollegin bzw. einem neuen Kollegen die Möglichkeit sich der Belegschaft vorzustellen. Diese Produktion kann man gut vorbereiten und sie ist zügig umgesetzt. Eignet sich sicherlich nur für Firmen und Organisationen mit einem Personalstamm im dreistelligen Bereich und geringer Fluktuation.

Quartalsreview: Eine Führungsperson lässt das letzte Quartel Revue passieren und spricht offen und ehrlich über Schwierigkeiten und Erfolge, gibt einen Überblick über außergewöhnliche Ereignisse und erreichte Ziele. Am Schluss gibt es einen kleinen Ausblick auf das laufende Quartal.

Das Wissensupdate: In jedem Unternehmen oder jeder Organisation gibt es Prozesse, Tools oder Ideen, die man vermitteln möchte – ohne gleich ein teures Schulungsprogramm aufzusetzen. Podcastfolgen zu einem Schwerpunkt lassen sich günstig produzieren und sparen womöglich viel Geld, das für Seminare zu sehr wesentlichen Themen eingesetzt werden kann.

Generell gilt: Keine Jubelarien. Lassen Sie die Vergötterung der eigenen Geschäftsleitung oder Marke außen vor. Ein Podcast wird sonst schnell als „Propaganda“ wahrgenommen und nicht mehr gehört.

Themenvorschläge für externe Podcasts:

Das Projekt: Ein Best-Case ist immer eine gute Idee, wenn man denn wirklich etwas zu erzählen hat. Für ein besonders gut gelungenes Projekt lohnt es sich, die Geschichte dahinter zu erzählen. Eine kleine Audio-Reportage, die man sich von RadiomacherInnen aufbereiten lässt, dürfte bei LinkedIn oder bei Xing für entsprechende Aufmerksamkeit sorgen – und vermutlich mehr Leute erreichen als so manches Whitepaper, das zum kostenlosen Download angeboten wird.

ExpertInnen-Talk: Ein gutes Gespräch hat noch keinem Menschen geschadet. Im eigenen Unternehmen und unter den eigenen KundInnen gibt es immer wieder viele Profis, die auf Konferenzen sprechen. Die, die wirklich gut vortragen können, kann man ansprechen und zu ihrem Thema befragen. Denn da sind sie sattelfest und das Ergebnis dürfte schon deshalb überzeugen. Und für die Zuhörerschaft ergibt sich auch noch ein Mehrwert an Wissen.

Die Gebrauchsanleitung zum Nachhören: Es gibt immer wieder sehr erklärungsbedürftige Produkte. Sammelt man die Fragen, die das Serviceteam zu einem Produkt bekommt, und bereitet zusammen mit den Antworten ein kurzes Audioformat auf, kann das den Serviceaufwand zukünftig reduzieren und gleichzeitig werden „Tutorials“ auch gern weiterempfohlen.

Generell gilt: Es hilft keine Lobhudelei. Auch für externe Podcasts gilt es, die Superlative in Bezug auf die eigene Firma oder Organisation ruhig mal draußen zu lassen.

jst-autorenbildÜber den Autor: Jens Stoewhase ist Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die das Onlinejournal medienrot.de im Auftrag der Landau Media AG betreibt. Dabei ist er auch immer wieder als Produzent von Podcastinhalten aktiv. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.