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Bewegtbild in der PR // PR-Klappe

Vor sieben Jahren saß ich in der Jury des noch jungen PR-Filmpreises PR-Klappe, und heute musste ich diesen harschen Abgesang auf den Preis lesen.

Ich erinnere mich gut an die Juryarbeit. Die Jury war (damals wie heute) äußerst interdisziplinär besetzt, was die Arbeit sehr mühsam gemacht hat: PR-Leute aus Agenturen und Unternehmen, Werber, Regisseure und die Manager von Filmproduktionsfirmen saßen am Tisch. Sie haben jeweils so unterschiedliche Ansprüche an einen guten „PR-Film“ formuliert, dass wir uns abseits der Fragen zur Bewertung oft in Grundsatzdebatten verloren haben. Heute denke ich: Genau das war am spannendsten!

Was ist überhaupt ein PR-Film? Wie bewerten wir Footage-Material? Wie schätzen wir die Kennzahlen für Youtube- und Erklärfilme ein, in der internen und in der externen Kommunikation? Wie pointiert muss ein Film sein? Welche Rolle spielt die Strategie und wie sehr müssen wir die Botschaften des Films hinterfragen? Und: Können wir Case-Filme auszeichnen? An dieser Frage wäre damals beinahe die Juryarbeit gescheitert.

Ich erinnere mich auch gut an die erste Preisverleihung in Hamburg, die am Rande der Werbe-Klappe stattfand, der großen, renommierten Schwester der PR-Klappe. Heißt: Ein Saal voller Werber, die angesichts der PR-Preisträger etwas ratlos schienen (um nicht desinteressiert zu sagen).

Vieles hat sich heute im Vergleich zur Premiere freilich verändert. Mit 134 Einreichungen in diesem Jahr kann man dem Preis seine Relevanz nicht absprechen. Er bleibt indes ein Kleinod, liebevoll gepflegt von Katharina Stinnes, langjährige Geschäftsführerin des Kommunikationsverbandes. Sie hat den Preis einst aus der Taufe gehoben und pflegt ihn bis heute. Der Verband löst sich Ende des Jahres nun auf, die PR-Klappe wandert zusammen mit zwei weiteren Auszeichnungen unter das Dach des Deutschen Marketing Verbands und wird sich vermutlich verändern.

Auszeichnungen für besondere Gewerke der Kommunikation sind schwierig, weil wir Kommunikation gerne strategisch diskutieren wollen und sie mit dem Zusammenwachsen von Kommunikationsdisziplinen immer schwerer zu rechtfertigen sind. Film war (und ist?) die Domäne der Werbung. Die PR-Klappe zerrt Produktionen ins Licht, die nicht dem klassischen Schema F folgen, das die Werbung vorgibt.

An der Relevanz von Film in der Kommunikation gibt es nichts mehr zu deuteln. Dafür musste einmal mehr Thomas Mickeleit eine Lanze brechen, hier auf der depak-Veranstaltung Play: „Bewegtbild ist aktuell die stärkste Waffe im Kampf um die Aufmerksamkeit.“

Leider erschließen sich PR-Leute neues Handwerkszeug nur langsam, das verdeutlicht auch die Diskussion um die Social-Media-Muffel. Die Werbung adaptiert die Tools der PR schneller als umgekehrt. Film gilt in der Kommunikation noch immer als „Trend-Thema“. So lange das so ist, ergibt auch die PR-Klappe Sinn.


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30 (www.30u30.de). Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.